Die Panik – Ein ungebetener Gast

Wir kennen sie alle: Gäste, die auf Festen und Partys zwar immer dabei sind, weil es irgendwie nicht anders geht, die aber eigentlich niemand so wirklich dabei haben will. Sie geben einem ein unangenehm beklemmendes Gefühl, lassen das Herz rasen und machen Gelassenheit zu einem Ding der Unmöglichkeit. Ladies and Gentlemen, lassen Sie mich unseren äußerst ungebetenen Gast vorstellen – die Panik!

Nervöses Getuschel, skeptische Blicke. Wer hat die denn bitte eingeladen?! Nun ja, das ist das tückische an der Panik, sie kommt und geht wie es ihr gerade passt, völlig ungeachtet dessen, was man in dem Moment tut und wo man sich befindet. Zugegeben, es gibt für die Panik keinen richtigen Ort und Zeitpunkt, sie kommt einfach immer ungelegen. Daran ist sie aber selbst nicht ganz unschuldig.

Die Panik – ein kurzer Steckbrief

Im Grunde ist sie ein missverstandener Gast, denn eigentlich will sie uns nur schützen. Zu einer Zeit, als Menschen noch Mammuts gejagt und mit Säbelzahntigern gekämpft haben, war die Panik sogar sehr hilfreich. Sie versetzt uns in den sogenannten „fight or flight“ Modus, also „kämpfe oder flüchte“. Viel Zeit zu denken bleibt eben nicht, wenn ein großes Kätzchen mit mörderischen Hauern vor einem steht. Also wird unser Körper mit Adrenalin vollgepumpt, unser Herz schlägt schneller und die Atmung beschleunigt sich, jeder Muskel im Körper steht in höchster Alarmbereitschaft und sämtliche Nahrung wird im besten Falle schnellstmöglich aus dem Körper geschleust – für die Verdauung von Mammut-Steak ist jetzt nun wirklich keine Zeit. Kurzum: der Körper bereitet sich auf den Ernstfall vor. Eigentlich eine ziemlich schlaue Sache, oder? Er macht das alles ohne dass wir es ihm aktiv sagen müssen.

Die Panik als Kakerlake des 21. Jahrhunderts

Heutzutage müssen wir uns glücklicherweise nicht mehr mit solchen Situationen rumschlagen. Die Panik jedoch ist wie eine Kakerlake, die überlebt alles. Sie passt sich an die gegebenen Umstände an und erfreut uns weiterhin mit ihrer Anwesenheit. Die Symptome sind dabei gleich geblieben: Herzrasen, Muskelzittern (was eine Folge der überschüssigen Energie ist, die für den „Ernstfall“ produziert wird), Übelkeit, Schweißausbrüche, Kurzatmigkeit, Schwindel und ein massives Gefühl der Angst. Also genau genommen alles, was man nur äußerst ungern gleichzeitig fühlen möchte.
Auch wenn die Dauer einer Panikattacke sich im Allgemeinen auf 30-45 Minuten beschränkt, ist die genaue Kombination der Symptome von Person zu Person unterschiedlich. Manche verspüren Übelkeit und übergeben sich sogar, andere wiederum haben das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen. Eine ebenfalls sehr unangenehme Eigenschaft der Panik ist ihre Unberechenbarkeit. Dahingehend ist sie wirklich gemein, denn wie bereits erwähnt kommt und geht sie, wie es ihr passt. Eben wie eine Kakerlake, die man nachts plötzlich mitten in der Küche findet und sich fragt, wo zur Hölle die denn hergekommen ist. Wenn es doch nur gegen die Panik auch ein äußerst effektives Spray mit fragwürdigen und leicht entflammbaren Inhaltsstoffen geben würde…

Wie man den ungebetenen Gast aus dem Haus bekommt

Wenn sich die Panik nun erstmal bemerkbar gemacht hat und ihre eigene kleine Party veranstaltet, ist sie zunächst nur schwer zu stoppen. Als Gastgeber verzweifelt man förmlich und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Kein Wunder, denn die Panik hat einen zu diesem Zeitpunkt so fest im Griff, dass die Realität anfängt zu verschwimmen. Während man selbst innerlich in einem Meer aus unangenehmen und augenscheinlich bedrohlichen Gefühlen droht zu ertrinken, fällt es den übrigen Gästen schwer nachzuvollziehen, warum man die Panik nicht einfach in hohem Bogen rausschmeißt. Leider ist das nicht ganz so einfach, es gibt jedoch ein paar Strategien, die sich als hilfreich erwiesen haben.

Oftmals ist allein der Gedanke schon beruhigend, dass die Panik irgendwann von alleine verschwindet. Ihr wird dann langweilig, denn der Gastgeber ist zunehmend erschöpft und echt kein guter Tanzpartner mehr. Da die Panik eine massive Stresssituation für den Körper darstellt, wird dieser also ab einem gewissen Zeitpunkt so erschöpft sein, dass er die Panik schlicht nicht mehr aufrecht erhalten kann.

Des Weiteren hilft Ablenkung ungemein, besonders in der Anfangsphase, wenn sich eine Attacke anbahnt. Die Panik ist eine absolute Rampensau, sie will im Mittelpunkt stehen und genießt es verdammt nochmal! Sie braucht ihre Bühne, wenn man als Gastgeber jedoch mit anderen, viel schöneren Dingen beschäftigt ist, kann es gut sein, dass sie sich still und heimlich wieder verzieht.

Was die Panik auch nicht gern mag ist, herausgefordert zu werden. Sie bestimmt lieber selbst wann, wie und wo sie mit welcher Intensität auftaucht. Wenn man sie dann auch noch herausfordert, nimmt man ihr quasi den Wind aus den Segeln. Dabei sollte die Formulierung so direkt und unmissverständlich wie möglich sein, also beispielsweise: “ Na komm schon, zeig mir, ob ich wegen dir wirklich in Ohnmacht falle/mich tatsächlich übergebe! Zeig mir, was du drauf hast! Du bluffst doch nur!“
Wem das zu viel ist, kann es auch mit Atemtechniken (Adriene hat hierzu ein tolles Video), frischer Luft, Telefonaten mit Familie/Freunden/dem Partner/der Partnerin oder Bewegung in Form eines Spazierganges probieren.

Deine Panik tanzt nur auf deiner Party

So individuell wie die genaue Kombination der Symptome einer Panikattacke ist, so individuell sind auch die Strategien, um sie wieder los zu werden. Deine Panik tanzt eben nur auf deiner Party, denn sie kommt ja wegen dir, dem Gastgeber. Andere Gastgeber haben vielleicht auch hin und wieder mal einen ungebetenen Gast auf deren Party, ein Austausch über diese missliche Lage kann mitunter sehr hilfreich sein.

Man kann die Panik natürlich auch „einfach“ ausladen und ihr klipp und klar vor Augen führen, dass es ab jetzt auf Partys für sie keinen Platz mehr geben wird. Punkt. Das erfordert jedoch einiges an Übung und ist leichter gesagt, als getan. Umso öfter die Panik ungebeten auftaucht, umso schwerer lässt sie sich vor die Tür setzen. Schließlich gefällt es ihr bei dir ja so gut!

Ich selbst habe für dieses Problem noch keine finale Lösung gefunden. Ich weiß jedoch, dass die Panik dreister wird, je mehr Angst man vor ihr hat und je mehr Raum man ihr gibt. Vielleicht ist das ja ein guter Ansatz – die Angst vor diesem ungebetenen Gast zu verlieren und nicht mehr panisch aus dem Fenster zu schauen mit dem Gedanken, dass sie jeden Moment auftauchen könnte. Denn wie bereits erwähnt braucht die Panik eine Bühne, aber wer will schon eine Kakerlake auf der Bühne des eigenen Lebens sehen? Man selbst sollte darauf tanzen, mit all seinen Lieben um sich rum. Und Kakerlaken haben da oben nun wirklich absolut nichts zu suchen.

 

3 Gedanken zu „Die Panik – Ein ungebetener Gast

  1. Wahre Worte! Beschreibt sehr gut, was in einem in solchen Momenten vorgeht. Das Gute ist, man kann sie bekämpfen. Also weg mit den Kakerlaken!

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