Weihnachten – Ein Fest der Erwartungen

Unzählige Lichterketten, heißer Punsch, sanfter Kerzenschein, der Duft von Tannenbäumen und leckere Plätzchen – all das verbinde ich persönlich mit Weihnachten. Dass das Fest jedoch nicht nur aus verzierten Keksen und saisonspezifischen Heißgetränken besteht, ist sicherlich jedem von uns klar. Natürlich geht es dabei auch um die Familie, alte und neue Traditionen, sowie Dankbarkeit für das, was man hat. Jeder definiert Weihnachten auf seine ganz eigene Weise, was jedoch sehr häufig mit all dem einhergeht, sind Erwartungen. Erwartungen an das Fest, Erwartungen and andere und vor allem auch Erwartungen an sich selbst. Da Weihnachten nun schon ein paar Tage her ist, habe ich alles ein wenig Revue passieren lassen und möchte meine Gedanken dazu nun mit Euch teilen.

Erwartungen an das Fest

Schon bevor Heiligabend überhaupt in greifbare Nähe rückt, macht man sich Gedanken darüber, wie man die Feiertage gerne verbringen möchte. Möchte man lieber in Ruhe zu Hause in kleinem Kreise feiern, oder doch ein großes Festessen veranstalten? Ist es vielleicht besser, zu Verwandten oder Freunden zu fahren, damit man selbst weniger Arbeit hat? Aber eigentlich wollte man doch schon lange ein stilvolles Abendessen geben, von dem jeder Gast auch im nächsten Jahr noch in den höchsten Tönen spricht. Alles soll perfekt sein: perfekt geplant, perfekt durchgeführt, perfekt fotografiert. Von der Dekoration über das Menü bis hin zu der Geschenkverpackung, die Erwartungen sind hoch. Alles konzentriert sich auf diese paar Feiertage und raubt ihnen genau damit den Zauber. Hohe Erwartungen an das Fest resultieren leider oft in Stress und Anspannung, was einen besinnlichen Abend nicht gerade unterstützt. Häufig klammern wir uns jedoch so stark an unsere Erwartungen, dass uns gar nicht auffällt, wie sehr wir uns dabei selbst im Weg stehen. Vielleicht sollten wir ja einfach mal einen Schritt zurück gehen, durchatmen und uns bewusst machen, an welchen Erwartungen wir aus welchen Gründen festhalten. Das wäre zumindest ein Anfang. Doch leider ist es mit den Erwartungen an das Fest selbst noch nicht getan.

Erwartungen an andere

Da hohe Erwartungen an das Weihnachtsfest noch nicht genug sind, kommen auch noch Erwartungen an andere hinzu. Und die haben es oftmals ganz schön in sich. Das fängt bereits bei Geschenken an, sofern die zum persönlichen Weihnachtsfest dazu gehören. Irgendwie hat doch jeder von uns diesbezüglich eine Erwartungshaltung, sei es an den Partner/die Partnerin, Familienmitglieder oder an Freunde. Selbst eine fehlende Karte kann dabei enttäuschen, hat man sich selbst doch so viel Mühe gegeben, eine passende Karte für denjenigen auszusuchen und zu schreiben. Und dann kommt nichts dergleichen zurück?! So wichtig kann man demjenigen dann ja offensichtlich nicht sein! Und schon ist die Stimmung dahin. Im Zeitalter der Digitalisierung kann sogar eine nicht erhaltene oder mit zu wenig Emojis geschmückte WhatsApp Nachricht dazu führen, dass wir Groll hegen und aus Trotz selbst keine Nachricht mehr verschicken. Aber ist das denn wirklich zielführend? Vielleicht ist es in so einem Fall ratsam, weniger von sich selbst auszugehen und die Tiefe der zwischenmenschlichen Beziehung nicht nur auf Weihnachtsgeschenke und (fehlende) Karten zu reduzieren.

Erwartungen an sich selbst

Zu guter Letzt möchte ich auf einen wichtigen Punkt eingehen, der oftmals in den Hintergrund rückt, aber zeitgleich auch viel Einfluss hat: Erwartungen an sich selbst. Diese Komponente ist mir besonders während des vergangenen Weihnachtsfestes bewusst geworden. Seit meine Mama nicht mehr da ist, hat sich Weihnachten drastisch verändert. Alte Traditionen können plötzlich nicht mehr so fortgeführt werden, wie sie mal waren und dieses beklemmende Gefühl, dass jemand so unglaublich Wichtiges fehlt, kann jegliche Freude und Unbeschwertheit innerhalb von Sekunden überschatten. Aus diesem Gefühls-cocktail heraus entstanden einige Erwartungen an mich selbst: Ich möchte meine Mama dennoch irgendwie aktiv mit einbinden, ich möchte entspannt und fröhlich wirken, ich möchte entspannt und fröhlich sein, ich möchte meine Familie und Freunde glücklich machen, ich möchte anderen genau zu dieser Zeit nicht die Bürde meiner Trauer aufdrücken… die Liste könnte ich noch weiter fortführen. Ich kam im Laufe der Feiertage zu der Erkenntnis, dass all diese Erwartungen viel zu viel Druck ausüben und dass ich mir das Leben damit selbst schwer mache. Ja, die Feiertage sind keine leichte Zeit vor dem Hintergrund der Trauer, aber diese Fülle an Erwartungen schadet mehr, als dass sie nützt. Für das neue Jahr nehme ich mir also vor, weniger Erwartungen nicht nur an andere und an das Fest zu haben, sondern vor allem auch an mich selbst. Ein wenig Weihnachtsstress wird sich wohl nie vermeiden lassen, aber mit weniger Erwartungen lässt es sich vielleicht eher besinnen auf das, was einem wirklich wichtig ist und was wirklich zählt (kleiner Hinweis: fehlende Weihnachtskarten gehören nicht dazu).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.