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Wird es irgendwann besser? Auf der Suche nach einer Antwort

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bricht die eigene Welt erst einmal zusammen. Doch auch unter größter Trauer kann man nicht ewig in einem Trümmerhaufen verweilen. Früher oder später muss man anfangen sein Leben trotz Schmerz wieder neu aufzubauen. Im Zuge dieses Prozesses kommen Betroffene nicht umhin sich zu fragen, ob der Verlust irgendwann nicht mehr so weh tut. In diesem Post versuche ich also selbst eine Antwort zu finden auf die Frage: Wird es irgendwann besser?

Jeder trauert auf seine Weise

Seit meine Mama nicht mehr da ist, sind nun schon ein paar Jahre vergangen. Ich hatte also ein wenig Zeit, um selbst festzustellen, wie sich die Sache mit der Trauer und dem Schmerz so verhält. Okay, das war jetzt sehr salopp ausgedrückt, aber ich denke ihr wisst was ich meine. Was man bei diesem Thema natürlich nicht vergessen darf ist die Tatsache, dass jeder Mensch ganz individuell trauert. Klar gibt es Gemeinsamkeiten, aber jeder hat seine eigene Art und Weise mit einem Trauma umzugehen. Nichtsdestotrotz verbindet uns ein simpler Wunsch: Nämlich der, dass all die schrecklichen Gefühle irgendwann ein bisschen weniger schrecklich sein mögen. Tja, kann ich das denn nun bestätigen? Ja – und nein.

Der Schmerz: Immer mit dabei

Ich weiß, dass mich der Schmerz des Verlustes mein Leben lang begleiten wird und zu 90% habe ich meinen Frieden damit geschlossen. Dennoch kann ich (noch?) nicht vollständig behaupten, dass es irgendwann besser wird. Ich würde eher sagen: Es verändert sich. Der Schmerz verändert sich. Im Alltag tut der Gedanke an meine Mama inzwischen oft weniger weh. Aber manchmal trifft mich die Trauer binnen Sekunden mit voller Wucht, ohne jegliche Vorwarnung. Es ist dann, als würde eine dunkle Schublade in der hintersten Ecke meiner Seele geöffnet werden und all die negativen Gefühle strömen frei heraus. In solchen Momenten kann ich kaum noch atmen und es fühlt sich wieder genau so erdrückend und unerträglich an, wie vor fünf Jahren. Die Mischung aus Traurigkeit, Verzweiflung und Wut bricht auf mich herein wie eine Welle und zwingt mich in die Knie. Ja, das ist kein schönes Gefühl. Und auch wenn die Zeit keine Wunden heilt, ein Unterschied ist da letztendlich doch: Die besagte Schublade öffnet sich nicht mehr täglich.

Geburtstage, Weihnachten, Feste: Diese Schlüssel öffnen die Schublade

Rückblickend habe ich beobachtet, dass die Abstände zwischen diesen intensiven Momenten der Trauer größer werden. Während ich vor fünf Jahren noch wöchentlich, ja fast täglich davon überrannt wurde, geht es mir heute seltener so. Jährliche Ereignisse, wie Geburtstage, Weihnachten und vor allem der Muttertag, sind dabei wie Schlüssel zu dieser dunklen Schublade. Mittlerweile kann ich jedoch ganz gut einschätzen, wie es mir in solchen Zeiten geht. Ich weiß, dass ich in den letzten Wochen vorm Muttertag trauriger und vor allem gereizter bin, als sonst. Und ich weiß auch, dass Weihnachten in mir Stress auslöst und ich mich über die Feiertage am liebsten einigeln möchte. Allein dieses Bewusstsein hat mir persönlich sehr geholfen und vielleicht hilft es euch ja auch.

Jedes vergangene Jahr hat mir gezeigt, was auf emotionaler Ebene auf mich zukommen kann und danach kann ich mein Handeln ausrichten – so gut es eben geht. Das bedeutet konkret: Kurz vor Muttertag meide ich Free-TV und reduziere meinen Social Media Konsum, um all die Werbung nicht sehen zu müssen. An den Weihnachtsfeiertagen mache ich nach Möglichkeit nur noch das, was mir und meinem Herzen wirklich gut tut – auch wenn das bedeutet, dass ich den Wünschen anderer Familienmitglieder womöglich nicht gerecht werde (einen ausführlicheren Post zum Weihnachtsfest und den damit verbundenen Erwartungen finden ihr hier). Ich habe mir also eine gesunde Portion Egoismus zugelegt und festgestellt, dass das für mich im Moment ein guter Weg ist. Doch eines muss man betonen: Diese Erkenntnis hat Zeit gebraucht und auch jetzt lerne ich noch immer jeden Tag dazu.

Gibt es eine „one-size-fits-all“ Antwort?

Ganz klar: Nein. Wie anfangs erwähnt trauert jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise. Ich denke jedoch, dass es etwas gibt, das Hinterbliebene früher oder später entwickeln: Das Bewusstsein für die persönlichen emotionalen Trigger. Und genau damit geht oft auch ein Gefühl der Erleichterung einher. Denn wenn ich weiß, dass ein bestimmter Feiertag für mich kritisch ist, kann ich mein Handeln danach ausrichten und versuchen es mir irgendwie leichter machen. Ob die Strategien, die zur Zeit gut funktionieren, auch noch in ein paar Jahren greifen, kann niemand sagen. Aber je mehr Jahre verstreichen, desto mehr lernt man über den eigenen Umgang mit dem Verlust.

Ich wünschte, dass dieser Post ein „Happy End“ hätte, wirklich. Dass ich sagen könnte, dass die Zeit tatsächlich alle Wunden heilt – aber das tut sie meiner Meinung nach nicht. Denn letzten Endes bleibt der Schmerz, das kann man nicht schönreden. Doch wenn es kein Happy End gibt, so gibt es immerhin ein wenig Hoffnung: Wir wachsen an dem Päckchen, das wir tragen. Und jede neue Erfahrung im Umgang damit sorgt dafür, dass wir unter dem Gewicht nicht mehr zusammenbrechen – sondern es mutig stemmen können.

2 Kommentare

  • Laura

    Vielen Dank für deine lieben Worte, Ricarda. Ich denke, dass einen solche Momente das ganze Leben lang begleiten und dass man sie „einfach“ annehmen muss.
    Liebe Grüße, Laura

  • Ricarda

    Wow! Das ist sehr schön beschrieben und in Worte gefasst. „Schlüssel zur Schublade“ gefällt mir gut. Und ich bin auch immer wieder überrascht, wenn mich so ein Moment erwischt und wie intensiv er dann noch sein kann. Liebe Grüße Ricarda

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